Happy 100th, Stanisław Lem!

"Gute Bücher erzählen von der Wahrheit, selbst wenn sie von Dingen handeln, die es nie gab und die nie existieren werden. Sie sind auf eine andere Weise wahr." (Raumschiffpilot Pirx)

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Stanisław Lem, der polnische Superstar der Science Fiction, der wahrscheinlich skurrilste und philosophischste aller SciFi-Autoren, wäre heute 100 Jahre alt geworden.

Hier alle Radiobeiträge, Podcasts und Gesprächsrunden, die Filme und Dokus in den Mediatheken und eine handvoll Texte zum Hundertsten.

Über die beiden neu erschienene Bücher über Lem, eine Biographie und ein Sammelband akademischer Betrachtungen seines Werks, hatte ich im Juli bereits hier geschrieben.

Anlässlich des Geburtstages zeigt der MDR heute nacht die sehr freie 2013er Verfilmung “Der Kongress” mit Robin Wright und gestern lief mit “Der schweigende Stern” der erste SciFi-Film der DDR, basierend auf Stanislav Lems Roman-Debut von 1951 ,„Die Astronauten“ (bzw. „Der Planet des Todes“). Beide Filme findet man in der ARD-Mediathek (Der schweigende Stern, Der Kongress), genau wie eine kurze Dokumentation auf ARD-Alpha.

Bei Arte lief gestern die Dokumentation “Stanislaw Lem - Der literarische Kosmonaut”, noch bis November in der Mediathek.

Sehr schöne Gespräche über “Futurologie, Prognostik und Technologiekritik bei Stanisław Lem” und “Die Sterntagebücher des Ijon Tichy – Stanisław Lems Science Fiction als Systemkritik” gab es im Literaturforum des Brecht Hauses zu sehen und zu hören, unten als Embed.

Dazu gab es neue Ausstrahlungen und Podcast-Downloads von Hörspiel-Vertonungen von “Solaris” (aus dem Jahr 2006), “Die Mondnacht” (von 1976) und Roman Knižkas Lesung von “Frieden auf Erden”.

Ich gratuliere dem Herrn Lem, der jetzt vermutlich irgendwo im Read Only Memory der Neural Network Simulation vor sich hingrübelt und etwas verbrämt die Geschicke der neuzeitlichen Menschheit beobachtet, ganz herzlichst zu seinem 100. Geburtstag. Zum 200. werde ich ihn in seiner Sim-ROM besuchen kommen auf einen Future-Wodka und dann lachen wir über die Wirklichkeit.


Lange Nacht über das Geheimnis der Sterntagebücher

Der spannendste Podcast mit 3 Stunden satt über Stanisław Lem dürfte die lange Nacht des Deutschlandfunks von Markus Metz und Georg Seeßlen sein: Das Geheimnis der Sterntagebücher, hier das MP3 der Sendung.

Stanisław Lem gilt als begnadeter Schriftsteller, seinen Pessimismus paart er mit Ironie, seine erkenntnistheoretischen Einsichten vermittelt er in Prosa. Literatur und Wissenschaft verschmelzen bei ihm zu einer Melange.

Einige seiner phantastischen Ideen sind inzwischen Wirklichkeit geworden: Lem hat das Internet vorausgesagt, die Virtual reality, die Migrationsströme und die neue Form der Ausbeutung und der Arbeitslosigkeit in der post-industriellen Welt.

Er selbst schreibt dazu:

„Es passierte mir schon mehrmals, wenn ich mir dachte, etwas hundertprozentig Phantastisches auszusagen, dass sich dies oder das davon später teilweise bewahrheitet hat. Wogegen wenn ich mir im Voraus denke, dass ich etwas ganz Diskursives schreiben will, was Teil einer wissenschaftlichen Hypothese ist, dann darf ich nicht so frech sein. Das ist dieses subjektive Zerren bei mir im Kopf, das vorgeht. Eigentlich versuche ich doch immer zu trennen: das Fantastische, die Literatur – und dieses andere, die Philosophie des Menschen, der Technologie, also etwas, was schon eher mit der Wissenschaft verwandt ist als mit der schönen Kunst.“


Futurologie, Prognostik und Technologiekritik bei Stanisław Lem

Die Sterntagebücher des Ijon Tichy – Stanisław Lems Science Fiction als Systemkritik


Hörspiel: Die Mondnacht (BR 1976)

Aus dem Reservetank einer Mondstation entweicht Sauerstoff. Der Rest kann bis zum Eintreffen der nächsten Versorgungsrakete nur einen von zwei Wissenschaftlern versorgen. Im Überlebenskampf versucht jeder der beiden, den anderen umzubringen. Ihr eigentlicher Gegner aber ist die Technik: Ein Tonbandgerät zeichnet alle Geräusche in der Forschungsstation auf. Nun versucht jeder, das Band zu täuschen.

Mit Bodo Primus, Horst Michael Neutze, Reinhard Glemnitz, Manfred Schott, Gisela Hoeter/ Aus dem Polnischen von Klaus Staemmler/ Regie: Dieter Hasselblatt/ BR/NDR/SDDR/SFB 1976


FAZ-Bücherpodcast mit Dietmar Dath: Alter Mann schreit Sterne an: Zum hundertsten Geburtstag von Stanislaw Lem

In seinen Geschichten trifft man auf rebellische Roboter, auf künstliche Intelligenzen und virtuelle Realitäten und vor allem auf Menschen, die mit all dem schönen Fortschritt irgendwie zurechtkommen müssen. Zu sagen, er habe Science-Fiction geschrieben, ist ein bisschen kurz gegriffen. Mit seinen Romanen, Kurzgeschichten und Essays bewegt er sich irgendwo zwischen Technik, Philosophie, Utopie und Satire.

Am 12. September 1921 wurde Stanislaw Lem im damals polnischen Lemberg geboren. Wir feiern seinen Geburtstag mit einem Gespräch über diesen Autor, sein Schreiben, sein Leben, seine Zeit mit unserem Kollegen und Science-Fiction-Experten Dietmar Dath.


Hörbuch: Stanislaw Lem - Frieden auf Erden

Die Großmächte haben alle Waffenarsenale auf den Mond verlagert, wo sie sich völlig autonom selbst optimieren. Im Auftrag der Lunar Agency reist Ijon Tichy zum Mond, um nach dem Rechten zu sehen. Es liest Roman Knižka.

Teil 1: “Als Agent der Lunar Agency reist Ijon Tichy auf den Mond, um nach dem Rechten zu sehen. Bei seiner Mission zieht er sich eine Kallotomie zu, wodurch sein Gehirn in zwei Teile aufgespalten wird. Dies hat groteske Folgen.”

Teil 2: “Alle Waffenarsenale lagern auf dem Mond und organisieren sich selbst. Dabei weiß keine Regierung, ob sie anderen überlegen ist. Dahinter steckt die "Doktrin der totalen Unkenntnis", sie soll Frieden sichern.”

Teil 3: “Ijon Tichy ist in einem Privatsanatorium für Millionäre untergetaucht. Hier eröffnet ihm Dr. Hous, dass die Sprachfähigkeit seiner rechten Gehirnhälfte unnormal groß ist. Es wäre besser, wenn das erstmal niemand wisse.”

Teil 4: “Für seine Kontroll-Mission auf dem Mond im Auftrag der Lunar Agency hatte Ijon Tichy lange trainiert, z. B. wie man einen Sendling bewegt. Auf dem Mond befinden sich Computersysteme für den weltweiten Rüstungswettlauf.”

Teil 5: “Prof. Lax, ein Nachrichtentechniker der Lunar Agency, warnt Ijon Tichy vor der Mondmission. Vor dem, was er dort herausfinden würde. Als Tichy auf dem Mond landet, trifft er einen anderen Mann: Es ist sein Spiegelbild.”

Teil 6: “Erst entdeckt Ijon Tichy sein eigenes Spiegelbild auf dem Mond. Dann wird er beinahe von einer Mine zerfetzt. Plötzlich taucht eine weitere Person auf und will sich mit ihm über den Frieden auf Erden unterhalten.”

Teil 7: “Ijon Tichys Mondmission wird immer verrückter. Er muss sich vor roboterartigen Typen in Sicherheit bringen. Zum Glück steckt er in einem Sendling in Pulverform, der 49 verschiedene Gestalten annehmen kann.”

Teil 8: “Ijon Tichy bekommt Besuch von Prof. Shapiro. Dieser eröffnet ihm, dass sich Tichy wohl etwas vom Mond mitgenommen hat. Er soll gewisse Staubteilchen eingeatmet haben. Shapiro will sich Tichys rechter Hirnhälfte annehmen.”

Teil 9: “Das Mondprojekt ist geplatzt. Ijon Tichy erfährt, dass er zum Spielball aller Kräfte auf Erden geworden ist, er kann niemandem vertrauen. Die Staaten wollen die "Doktrin der Unkenntnis" aushebeln und weiter aufrüsten.”

Teil 10: “Ijon Tichy findet heraus, dass sich seine Hand per Morsezeichen mit seiner rechten Hirnhälfte unterhalten kann. So versucht er herauszufinden, was auf dem Mond vorgefallen ist. Es geht um den molekularen Sendling…”

Teil 11: “Ein vertrauliches Gespräch mit Prof. Lax bringt Aufschluss. Ijon Tichy erfährt von der Expansion der Selenozyten: Der Staub, den Tichy vom Mond mit auf die Erde brachte. Er greift in die Biosphäre ein, wie eine Pandemie.”

Teil 12: “Ijon Tichy hat eine Seuche vom Mond auf die Erde eingeschleppt. Die Viren haben alle Computerprogramme ausgelöscht, alle automatischen Zentralen sind außer Betrieb. Knüppel sind die Waffen, die es jetzt noch gibt…”


Hörspiel: Solaris (MDR 2006)

MP3-Direktlinks: Teil 1 / Teil 2

Teil 1: Der Planet:

Solaris ist fast vollständig von einem gallertartigen Ozean bedeckt, der Formen nachbilden kann und als intelligente Lebensform gilt. Die Kontaktaufnahme mit dieser Lebensform schlägt allerdings seit Jahrzehnten fehl.

Kris Kelvin, Psychologe und Ich-Erzähler der Geschichte, findet die Raumstation über Solaris in verwahrlostem Zustand vor. Der Stationsleiter Dr. Gibarian ist vor kurzem verstorben: Suizid.

Warum machen der Kybernetiker Snaut und der sonderbare Dr. Sartorius daraus ein großes Geheimnis?

Angesichts weiterer unerklärlicher Vorgänge glaubt Kelvin den Verstand zu verlieren.

Teil 2: Der Ozean

Der Astronaut Kris Kelvin versteht schließlich, warum die Crew der Raum-Station des Planeten Solaris sich so seltsam verhält: Jeder von ihnen hat einen höchst persönlichen "Gast", den offenbar der planetarische Organismus auf Grundlage der Gedächtnismuster der Menschen an Bord der Station erschaffen hat: Schatten ihrer Vergangenheit, die Schuldgefühle und Ängste auslösen.

Kelvin wird von seiner ehemaligen Geliebten heimgesucht, die seinetwegen Suizid begangen hatte.

Als die anderen Forscher einen Plan entwickeln, wie die „Gäste“ beseitigt werden können, versucht er den Plan zu sabotieren.


Weitere Podcasts zum 100. Geburtstag von Stanisław Lem:

Deutschlandfunk, Aus dem Archiv: Stanislaw Lem von Michael Groth (MP3-Direktlink)

SWR2 Wissen: Stanislaw Lem – Visionär zwischen Science und Fiction: Der polnische Autor Stanislaw Lem (1921 - 2006) hat in seinen Schriften schon früh die Grenzen menschlicher Erkenntnisfähigkeit und die Möglichkeiten zukünftiger Technologien erkundet.

SWR2 Forum: Meister der Science-Fiction – 100 Jahre Stanislaw Lem: Das Science-Fiction-Genre nannte er einmal einen „Ramschladen", von Marskolonien oder künstlicher Intelligenz hielt er auch nicht viel - dennoch gilt Stanislaw Lem mit Werken wie „Solaris", „Der futurologische Kongreß" oder „Robotermärchen" als Science-Fiction-Großmeister und visionärer Zukunftsdenker. Was macht sein Schreiben so besonders? Am 12. September wäre er 100 geworden - passt seine Zukunft noch zur Gegenwart?

SWR Buchkritik: Alfred Gall – Stanislaw Lem. Leben in der Zukunft: „Solaris“ machte ihn international berühmt. Stanislaw Lem gilt als einer der populärsten Science-Fiction-Autoren des 20. Jahrhunderts. Seine Bücher waren mehr als nur futuristische Unterhaltung und begeisterten ein Millionen-Publikum. Über den Autor selbst ist wenig bekannt. Eine neue Biografie will das jetzt ändern.

SRF: 100 Jahre Stanislaw Lem - Ein Hellseher, der um das Dunkel wusste: Zentral und bisher wenig dokumentiert ist Stanislaw Lems Erfahrung mit dem Holocaust, die wahrscheinlich wichtiger für sein Werk ist, als bisher angenommen wurde. In einem Gespräch mit dem Autor Raymond Federman sagte Lem 1978: «Vielleicht ist die ganze Science-Fiction der Nachkriegszeit tatsächlich immer noch ein Nachleben des Holocaust. Science-Fiction schreiben ist für mich eigentlich Überleben. Anders hätte ich nicht überleben können, wenn ich nicht die Möglichkeit hätte, das in Science-Fiction auszudrücken.»

ORF Tonspuren: „Solaris“ von Stanislaw Lem. Eine Annäherung an Stanislaw Lems Science-Fiction-Klassiker: Stanislaw Lem meinte über sein wohl bekanntestes Werk: "Es fällt mir schwer, diesem Buch einen Kommentar hinzuzufügen. Ich glaube, ich habe es geschafft, das zu sagen, was ich ausdrücken wollte."
An den drei Verfilmungen von "Solaris" (darunter jene von Andrei Tarkowski) übte der Autor, der ein studierter Mediziner war, teils heftige Kritik. Der Roman wurde in 31 Sprachen übersetzt und mehrmals sowohl für das Theater als auch als Oper adaptiert. Die Science-Fiction Autorin Ursula K. LeGuin schrieb in ihrem Vorwort zum Buch, "Solaris" sei ein Roman, der vorführt "wie das menschliche Verständnis außerstande ist, letzte Erkenntnis zu erlangen". Auch die TONSPUREN begehen eine Reise an die Grenzen des menschlichen Verstandes und widmen sich den Untiefen von "Solaris".

HR2 Hörspiel: “Test” von Stanislaw Lem: Das Hörspiel wird heute, am Sonntag den 12.9., nachmittags um 16 Uhr gesendet und steht danach auch online zur Verfügung.

Kadett Pirx macht eine Ausbildung zum Raumfahrer. Er ist ein Träumer und für die vielen Gedanken, die in seinem Kopf herumschwirren, findet er oft nicht die richtigen Worte. Deshalb halten ihn seine Kameraden und Lehrer aus dem Raumfahrinstitut für einfältig. Als ausgerechnet Pirx für den nächsten Testflug ausgewählt wird, erhält er jedoch die Chance, sein Können als Raumfahrer unter Beweis zu stellen.

Unglücklicherweise hat sich in seinem Raumschiff eine Fliege verkrochen, die alles durcheinander bringt.

Mit dem Piloten Pirx hat Stanislaw Lem eine literarische Figur geschaffen, die sich auf erholsame Weise vom üblichen Inventar der Science-Fiction-Literatur abhebt: Unheroisch, verträumt und auch sonst mit allzu menschlichen Charakterzügen ausgestattet, stolpert Pirx eher durch brenzlige Situationen als dass er sie tapfer meistert. Er ist der Antiheld des Weltalls, und als solcher fühlt er sich in besonderer Weise den unberechenbaren Allüren von Mensch und Maschine ausgeliefert.

Mit Florian Lukas, Stjepan Markovic, Herbert Schäfer, Norbert Schwientek.


Texte zum 100. Geburtstag von Stanisław Lem:

SZ: Der skeptische Utopist von Nicolas Freund

FR: Das dritte Augenpaar von Arno Widmann: “Die Pointe der von Stanislaw Lem beschriebenen galaktischen Vernichtungsvorgänge ist freilich sein Gedanke, dass die anorganischen und die organischen Entwicklungsprozesse sich über Milliarden Jahre hinziehen können, dass aber, sobald die Geschichte ihre technologische Phase erreicht, sie nirgendwo über ein paar Jahrtausende hinausgekommen ist. Der ‘Zivilisationsbruch’ ist die Zivilisation selbst.”

Welt: Auf den Spuren von Stanislaw Lem in Krakau von Marko Martin: “Vieles in der Stadt erinnert an ihn, und so scheint der literarische Futurist im Jahr seines hundertsten Geburtstages beinahe ein ebenso lokal-universeller Werbeträger zu sein wie sein gleichfalls mit Überirdischem beschäftigter Zeitgenosse Karol Wojtyla alias Johannes Paul II.”

nd: Zukunftsvisionen und Skepsis von Steffen Schmidt:

Auf seinen Grabstein auf dem Krakauer Salwator-Friedhof ließ Lem gravieren: »Feci, quod potui, faciant meliora potentes.« (Ich habe gemacht, was ich konnte, mögen die es besser machen, die dazu imstande sind.)


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